Beiträge von mpiodi

    Ganz ohne Nazi-Symbole sieht dieser Stempel aus wie Werbung für eine spannende, rasante Motorboottour, ist aber in Realität eine Aufforderung an die Jugend, die bisher der Einberufung entgangen war (s. Adresse: Schülerkompanie), sich in den letzten Kriegsmonaten (21.11.44) in einem verbrecherischen, sinnlos gewordenen Krieg in der Kriegsmarine verheizen zu lassen


    Gruß

    mpiodi

    Danke, Christoph, für die Rückmeldung.

    Ich halte die Propagandastempel für eine gute Möglichkeit, sich mit den für unsere heutigen Begriffe oft brutal direkt und menschenverachtend, mitunter aber auch sehr subtil und unterschwellig zwischen den Zeilen daherkommenden Methoden der Propaganda des NS-Staates auseinanderzusetzen. Die spezielle Freiheit, die der Gesetzgeber den Sammler*innen im philatelistischen Bereich im Umgang mit NS-Symbolen gibt, darf meiner Ansicht nach nicht dazu führen, deren Problematik auszublenden oder gar zu negieren.


    Gruß

    mpiodi

    Ich zitiere aus: G. Borchers, Deutsche Maschinen-Postfreistempel, Bd 2, Schriftenreihe der FG Post- und Absenderfreistempel, Heft 35

    "1.10. Entwertung der Postwertzeichen durch Maschinen-Postfreistempel

    Gelegentlich wurde die Entwertung der Postwertzeichen durch Postfreistempel vorgenommen. Hierfür wurden die Ziffern aus dem Wertrahmen entfernt. Die Stempelfarbe musste schwarz sein. Benutzt wurde die gleiche Stempelmaschine. Es gab verschiedene Gründe für diese Anwendung, z.B. wenn ein defekter Stempeleinsatz zu ersetzen war oder der Stempel wegen Abnutzung nachgearbeitet werden musste."


    Keine ADA, aber immerhin...


    Gruß

    mpiodi

    Ist das Wort "widerrechtlich" im Titel überhaupt zutreffend? Handelt es sich bei solchen Abstempelungen nicht vielmehr um Behelfsmaßnahmen?

    Ich finde das Wort "widerrechtlich" auch nicht sehr glücklich gewählt, weil es Vorsatz unterstellt und Strafbarkeit suggeriert. Denn es gibt sicherlich sehr unterschiedliche Gründe für das Zustandekommen von Stempelungen, die von der Norm abweichen: Behelfsmaßnahmen in Krisenzeiten ist sicher nur einer davon. Falsche Bedienung der Stempelmaschinen z.B. durch ungenügend ausgebildetes oder gestresstes Personal (s. das reizvolle Thema "Kopfsteher") oder Materialmangel ("Aptierungen") mögen andere sein . Letztlich machen solche Abweichungen das Thema Stempel ja so interessant.


    Gruß

    mpiodi

    Noch deutlicher wird die eigentliche Zielsetzung der Nazipropaganda bei dem folgenden Beispiel, das noch beklemmendere Parallelen zu unserer Zeit aufweist. Außerdem zeigt der Beleg, dass naturgemäß die Propaganda auf dem Weg über die Poststempel die unterschiedlichsten Zielgruppen erreicht hat.

    Gruß

    mpiodi

    Recycling ist keine Erfindung der Ökobewegung.

    Auch die nationalsozialistische Propaganda hat schon die Wiederverwertung von Rohstoffen propagiert, allerdings 1943 vermutlich nicht aus Sorge um die Umwelt, sondern weil infolge des Krieges die Rohstoffe knapp wurden und deshalb möglicherweise die eigene Propagandamaschinerie ins Stocken zu geraten drohte.


    Gruß

    mpiodi

    Dass dieses Thema auch heute noch aktuell ist, zeigt sich an diesem Stempel:

    Wie "Nahrung als Waffe" von einem autoritären Regime missbraucht wird, haben wir gerade im Ukrainekrieg wieder sehr deutlich vor Augen geführt bekommen.


    Gruß


    mpiodi

    Hallo Kartenhai,


    Ich bin ja noch nicht lange im Forum und noch dabei, mich zu orientieren unter dem Vielen, das schon thematisiert worden ist. Dabei bin ich auf dieses Thema gestoßen, das Du schon vor einigen Jahren eingestellt hast.

    Ging es Dir, falls Du Dich erinnern kannst, speziell um diesen Maschinenserienstempel oder eher allgemein um das Thema Propagandastempel im Dritten Reich?

    Wie dem auch sei: Hier zunächst ein anderes Exemplar des selben Stempels auf einem Feldpostbrief von Freiburg nach Straßburg vom 11.10.43 , mit einem doppelten Abschlag der Stempelmaschine.

    Gruß

    mpiodi

    Hallo,


    Das Interesse an meinem Thema im Forum scheint sich in Grenzen zu halten.

    Deshalb noch ein neuer Anlauf:

    Mir liegen bisher Belege zur Verwendung des obigen Postfreistempels als Entwerter von folgenden Postorten vor: Wien, Villach, Klagenfurt, Lienz (Wertrahmen rechts), Bodenbach, Teplitz-Schönau, Posen, Straßburg, Freiburg (Wertrahmen rechts), Hagen und Dortmund, dazu Landshut (aptiert vom 16.7.1950). Im Forum ist darüber hinaus ein Beleg aus Komotau abgebildet.

    Sind jemandem Belege aus anderen Postorten bekannt?

    Falls jemand derartige Belege loswerden möchte, darf er sich gerne an mich wenden.


    Grüße

    mpiodi

    Herzlichen Dank für die Willkommensgrüße. 8)

    Das macht echt Lust auf mehr.

    Man braucht ja immer so seine Zeit bis man sich in einem neuen Forum zurechtfindet.

    Aber das hat gut geklappt, dank der perfekten Einführung von wolffi in die Spielregeln.


    Grüße an alle

    Hallo Stempelfreunde,


    Das Thema dieses Threads ist im Thread von Schildescher "Postfreistempel ohne Wertziffer, widerrechtlich als Entwertungsstempel genutzt"

    im Forum schon angesprochen worden.

    Da es mich besonders interessiert, möchte ich es in diesem Thread mit einer spezialisierten Zielsetzung besonders aufgreifen.

    Der obige Scan zeigt den Postfreistempel Wertrahmen Adlerkopf/Hakenkreuz, der ab 1939 verwendet wurde, auf einer Ansichtskarte vom 14.7.1941

    von Freiburg (Breisgau) 1 nach Offenburg, Stempelfarbe schwarz, Wertrahmen rechts, als Entwertungsstempel benutzt.


    Meine Fragen dazu:

    Kennt jemand ähnliche Belege mit einem Buchstaben im Wertrahmen?

    Gibt es eine Liste der Postorte, in denen dieser PFS als Entwerter benutzt worden ist?


    Danke und Grüße


    mpiodi



    Sammelgebiete: 

    Maschinenserienstempel Deutsches Reich (1918 bis 1945)

    Postfreistempel Adler/Hakenkreuz als Entwerter

    Danke für die Ermunterung, Christoph! Ich werde mich mit Lothar Gödicke demnächst mal in Verbindung setzen und anfragen, ob im Gildebrief schon mal etwas veröffentlicht worden ist zu dem speziellen Thema der PFS Adler/Hakenkreuz als Entwertungsstempel. Wenn ich "Christoph" als Empfehlung angebe, wird er wohl wissen, um wen es sich handelt, oder?

    Gegenüber Jürgen Witkowski hatte ich bei einem Telefonat vor einiger Zeit mein Interesse an diesem Thema ebenfalls einmal zur Sprache gebracht. Er hat mich auch ermuntert, am Ball zu bleiben. Allerdings hat er mir angedeutet, dass es eine gewisse Scheu (in der Gilde) gibt, die Problematik der Nazi-Propaganda bei Poststempeln zu thematisieren, aus der Befürchtung heraus, als Sammler solcher postalischer Dokumente gleich in eine rechte Ecke gestellt zu werden.

    Gibt es diesbezüglich eigentlich irgendwelche Konventionen, die zu beachten sind, in diesem Forum? - über die üblichen hinaus, meine ich.


    Im Übrigen hoffe ich noch, dass Schildescher mir vielleicht noch weiterhelfen kann in der Frage der Postorte dieser Stempel.


    Gruß

    mpiodi

    Herzlichen Dank an Christoph 1 für die freundliche Begrüßung und die Hinweise und Anregungen.

    Ebenso an Kartenhai für den hilfreichen Link.


    1. Der Begriff der Maschinen-Serienstempel ist ja der Forschungsarbeit von Julius Bochmann und seinen Nachfolgern entlehnt. Und Bochmann unterschied von Anfang an zwischen den Gelegenheitsstempeln und den Freistempeln. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die von Dir angeführten Abschläge von Freistempelgeräten nicht als Maschinen-Serienstempel aufgeführt werden, obwohl sie natürlich aus heutiger Perspektive irgendwie auch dazu gezählt werden könnten.

    Dass J. Bochmann diese grundsätzliche Unterscheidung zwischen Gelegenheitsstempeln und Freistempeln gemacht hat, ist mir bewusst. Allerdings sind seine Nachfolger m. E. von diesem Prinzip inzwischen schon insofern abgewichen, als dass sie die Betriebsarten G und G I der Maschinenserienstempel in den neubearbeiteten Bochmann-Katalog aufgenommen haben (P.-J. Hüske; Band 1501, Poststempelgilde).

    Um die Problematik im Gildebrief zur Sprache zu bringen, dafür stehen meine Recherchen noch zu sehr am Anfang und würden den dortigen hohen Ansprüchen wohl nicht genügen. Ich sammle zwar schon viele Jahre Gelegenheitsstempel, bin aber noch nicht sehr lange Mitglied der Gilde. Dies ist auch der Grund, warum ich unter anderem hier im Forum weitere Informationen zum Thema suche.


    Beste Grüße

    mpiodi

    Es ist relativ schwierig bzw. zeitaufwendig nach diesen Belegen zu suchen. Über Philasearch bin ich jetzt bei einigen älteren Belegen fündig geworden. Umso größer war die Freude festzustellen, dass einige Belege noch nicht im Katalog von Hr. Topf gelistet sind. Andererseits darf man die Leistung der damaligen Forscher nicht unterschätzen. Der erste Katalog wurde im Internetfreien Zeitalter um 1975 veröffentlicht. Hier mal ein älterer Beleg



    Schildescher

    Hallo an alle,


    ich bin durch den obigen PFS als Entwerterstempel aus Komotau auf das Forum gestoßen. Bin also neu hier. Ich sammle schwerpunktmäßig Maschinenserienstempel 1918 bis 1945. Bei meinen Recherchen stoße ich immer wieder auf diese PFS Adler/Hakenkreuz, die als Entwertungsstempel verwendet wurden und m.E. damit den Charakter eines Maschinenserienstempel haben, bei diesen jedoch nicht aufgeführt sind. Weiß jemand ob es irgendwo eine Liste der Postorte gibt, in denen diese Stempel als Entwerter verwendet worden sind? Ist der oben genannte Katalog von Herrn Topf noch verfügbar?
    Es wird die These vertreten, dass diese PFS als Entwerter gehäuft in Postorten auftauchen, die durch Okkupation dem Deutschen Reich angegliedert wurden: z.B. Straßburg, Posen, Bodenbach etc. Kann jemand diese These bestätigen?


    Grüße


    mpiodi